DAS FRANZÖSISCHE ALPHABET
Die Frage, welche Buchstaben im französischen Alphabet wann offiziell eingeführt wurden, ist entscheidend für die Datierung des Kryptogramms aus dem „Flibustier mystérieux“. Besonders relevant sind dabei die Buchstabenpaare I/J und U/V, die bis ins 18. Jahrhundert hinein häufig als Varianten ein und desselben Buchstabens behandelt wurden. Erst mit der 4. Auflage des Wörterbuchs der Académie française im Jahr 1762 erfolgte die offizielle Trennung – J und V wurden als eigenständige Buchstaben anerkannt. Diese Entwicklung spiegelt sich nicht nur in offiziellen Regelwerken, sondern auch in Druckerzeugnissen der Zeit wider. Der historische Überblick zeigt, dass die klare Unterscheidung in der Schrift erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts allgemein üblich wurde – ein Befund, der auch Rückschlüsse auf die mögliche Entstehungszeit des Kryptogramms erlaubt.
Folgender Text wurde mit Hilfe von ChatGPT deep research generiert (auf inhaltliche Korrektheit überprüft):
Praktischer Gebrauch von V und U sowie I und J (ca. 1700–1750)
In französischen Druckerzeugnissen des frühen bis mittleren 18. Jahrhunderts wurden die Buchstabenpaare V und U sowie I und J noch nicht durchgängig als getrennte Buchstaben behandelt. Vielmehr galt bis dahin die lateinische Tradition, dass V/U lediglich zwei Formen eines Buchstabens sind – ebenso I/J. In der Praxis bedeutete das: Ein V stand typischerweise am Wortanfang, während innerhalb eines Wortes U verwendet wurde. Beispielsweise wurde une (‚eine‘) als vne und vivre (‚leben‘) als viure geschrieben; hiver (‚Winter‘) erschien als yuer, und rêveur (‚Träumer‘) als resueur. Analog verhielt es sich mit I/J: Ein großgeschriebenes J wurde meist nicht von I unterschieden, sondern als verzierte Form des I betrachtet. Dementsprechend findet man in Druckschriften jener Zeit Formen wie Iournal für Journal und Ianuier für Janvier (Januar). So trug etwa die erste französische Zeitschrift 1665 den Titel “Le Iournal des Sçavans”, wobei das J in Journal als I gedruckt wurde und das U in Lundi als V (“Du lundy V. Ianvier 1665”). Auch in Namen wie Jean (Iean) oder Jacques (Iacques) wurden J durch I und U durch V ersetzt. Diese Konvention blieb im Drucksatz weit verbreitet, sodass ein Leser zur damaligen Zeit “IUSTICE” als Justice und “VNE FOIS” als une fois zu lesen hatte.
Vergleich mit dem offiziellen Alphabet der Académie française
Das offizielle Alphabet der französischen Sprache, wie es im Wörterbuch der Académie française festgehalten wurde, hinkte der gedruckten Praxis zunächst hinterher. Die 1. Auflage des Dictionnaire de l’Académie (1694) orientierte sich noch streng am traditionellen lateinischen Alphabet und zählte keine eigenen Buchstaben J oder U/V. I stand sowohl für i als auch j, und V sowohl für v als auch u. In den frühen Ausgaben des Wörterbuchs wurden demzufolge Wörter mit J unter dem Buchstaben I eingeordnet, und auch U und V galten als eine Klasse. Die Akademie war in dieser Frage zunächst konservativ und etymologisch motiviert – man hielt an der alten Schreibweise fest, selbst wenn die gesprochenen Laute dies nicht mehr nahelegten.
Einen formellen Abgleich zwischen Alphabet und Gebrauch gab es schließlich Mitte des 18. Jahrhunderts. In der 4. Auflage des Académie-Wörterbuchs (1762) wurden die Buchstabenpaare I/J und U/V erstmals offiziell getrennt. Die Académie akzeptierte nun die Unterscheidung zwischen dem Vokal I und dem Konsonanten J sowie dem Vokal U und dem Konsonanten V. Damit erhöhte sich die Zahl der Buchstaben im französischen Alphabet von 23 auf 25 Buchstaben. J und U erhielten eigene Kapitel im Wörterbuch.
Zeitpunkt der eindeutigen Trennung in der Praxis
In der Praxis vollzog sich die eindeutige Trennung von V/U und I/J allmählich im Laufe des 18. Jahrhunderts. Zu Beginn des Jahrhunderts hielt man noch häufig an der alten Gewohnheit fest. Viele Bücher und Zeitungen druckten weiterhin I für ein heutiges J oder gebrauchten V am Wortanfang anstelle von U. Doch einige Drucker begannen bereits, J und U zur besseren Unterscheidung zu verwenden. Spätestens ab den 1750er-Jahren lässt sich eine klarere Trennung beobachten. Neue Werke wurden vermehrt mit getrennten Buchstaben gesetzt – etwa J für den j-Laut und U für den u-Laut – da dies der Verständlichkeit diente. Die Académie française selbst stellte 1762 fest, dass sie sich nun dem „allgemein etablierten Gebrauch“ beuge. Das zeigt, dass die getrennte Schreibweise zu diesem Zeitpunkt bereits weit verbreitet war.
Der Übergang war jedoch fließend. Noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts finden sich viele Mischformen. Ein bekanntes Beispiel ist der Schriftsteller Voltaire: Sein Pseudonym ergibt sich aus einem Anagramm von Arouet le jeune, das nur aufging, weil I = J und U = V als gleich galten. Solche Fälle zeigen, dass die Trennung vor den 1750er-Jahren noch nicht durchgängig war. Ab 1762 hielt sich dann auch das offizielle Wörterbuch an die neue Norm, und die ältere wechselweise Verwendung verschwand zunehmend.

«Darüber hinaus hat die Akademie in dieser Ausgabe eine ziemlich bedeutende Änderung vorgenommen, die die Gelehrten schon seit langem gefordert haben. Der Vokal I wurde vom Konsonanten J getrennt, der Vokal U vom Konsonanten V, indem diesen Konsonanten ihre wahre Bezeichnung gegeben wurde; so dass diese vier Buchstaben, die in den vorherigen Ausgaben nur zwei Klassen bildeten, in dieser Ausgabe vier bilden; & dass die Anzahl der Buchstaben des französischen Alphabets von dreiundzwanzig auf fünfundzwanzig gestiegen ist.»
Offizielle Vorschläge und Einführung der Trennung
Schon im 16. Jahrhundert erkannten Sprachreformer die Notwendigkeit, den Konsonanten J vom Vokal I zu unterscheiden. Louis Meigret schlug im Jahr 1545 vor, den konsonantischen i-Laut mit einem besonderen Zeichen darzustellen, später „i long“ genannt. Auch andere europäische Gelehrte wie Trissino oder Nebrija führten damals in ihren Sprachen J und U als getrennte Buchstaben ein. In Frankreich forderten Jacques Peletier du Mans und Pierre de La Ramée (Ramus) die Trennung in phonetisch motivierten Orthographievorschlägen. Diese neuen Zeichen wurden später lettres ramistes genannt.
Ein wichtiger praktischer Schritt war 1629 die typografische Gestaltung eines eigenen Großbuchstabens U durch den Drucker Lazare Zetzner. Auch die Académie française griff die Idee der Trennung später auf. Der Dichter Pierre Corneille setzte sich ab 1663 dafür ein, dass die Akademie J (und V) offiziell anerkennt. Obwohl das zunächst ohne Wirkung blieb, war es ein wichtiger Impuls.
Die endgültige offizielle Einführung erfolgte mit der 4. Ausgabe des Wörterbuchs im Jahr 1762 (siehe oben). Dadurch stieg die Zahl der Buchstaben auf 25. Der Buchstabe W hingegen musste bis ins 20. Jahrhundert warten, bis er als 26. Buchstabe das französische Alphabet komplettierte.
Die Bedeutung dieser Informationen für das Kryptogramm und dessen angeblichem Autor finden Sie im Artikel «Das Ende einer Legende».
Erwähnte Quellen:
– Académie française. Dictionnaire de l’Académie françoise. 4. Auflage, Paris: Bernard Brunet, 1762.
– Académie française. „Préface de la quatrième édition (1762)“.
Alle Artikel Kryptogramm
Alle Artikel La Buse
Das Leben und Wirken des berühmtesten französischen Piraten des 18. Jahrhundertes.
Alle Artikel Hintergründe
Geschichten und Geschichte rund um die «Goldene Ära der Piraterie», La Buse und das Kryptogramm.





